Kanzlei Dr. jur. Holtus | Rechtsanwalt

Die Patientenaufklärung vor medizinischen Eingriffen

Der Patient kann nur dann unter Wahrung seiner Entscheidungsfreiheit wirksam in einen Eingriff einwilligen, wenn er über die mit dem medizinischen Eingriff verbundenen Risiken wirksam aufgeklärt wurde.

Hierbei müssen nicht alle denkbaren medizinischen Risiken exakt oder in allen erdenklichen Erscheinungsformen Dargestellt werden. Vielmehr ist es allgemein ausreichend, wenn der Patient zur Wahrung seines Rechts auf Selbstbestimmung über die mit der ordnungsgemäßen Durchführung des Eingriffs verbundenen spezifischen Risiken "im Großen und Ganzen" aufgeklärt wird.

Die Aufklärung muss dem Patienten einen zutreffenden allgemeinen Eindruck von der Schwere des Eingriffs und der Art der Belastungen vermitteln. Der Patient muss eine zutreffende Vorstellung über den medizinischen Eingriff an seinem Körper und die möglicherweise zu befürchtenden Einschränkungen seiner Lebensführung (Risiken) erhalten. Auch ist zu vermitteln, Wie ihm nach medizinischer Erfahrung geholfen werden kann und welche Erfolgsaussichten bestehen.

Auf medizinische Behandlungsalternativen muss dann hingewiesen werden, wenn mehrere alternative Behandlungsmethoden bestehen, die zu unterschiedlichen Belastungen führen, denen unterschiedliche Risiken inne wohnen oder unterschiedliche Erfolgschancen bieten. Der Patient muss in diesen Fällen selbst prüfen können, welche möglichen Belastungen, Risiken oder Erfolgschancen er auf sich nehmen will; im Übrigen bleibt die Wahl der Behandlungsmethode Sache des Arztes.

Die Einwilligung eines Patienten zu einem ärztlichen Eingriff bedarf zu ihrer Wirksamkeit, dass der Patient unter den jeweils gegebenen Umständen noch ausreichend Gelegenheit hat, sich innerlich frei zu dem Eingriff zu entscheiden. Hierzu bedarf es einer Überlegungsfreiheit ohne vermeidbaren Zeitdruck.

Eine Aufklärung am Vortag vor einem medizinischen Eingriff kann genügen, wenn sie zu einem Zeitpunkt erfolgt, zu dem sie dem Patienten die Wahrung seines Selbstbestimmungsrechts erlaubt. Eine Aufklärung am Vorabend einer Operation wird den Patienten aber regelmäßig überfordern, wenn es dabei erstmals überraschend von gravierenden Risiken erfährt, die seine künftige Lebensführung entscheidend beeinflussen können.

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