Kanzlei Dr. jur. Holtus | Rechtsanwalt

Ärztliche Aufklärung bei kosmetischen Operationen

Schönheitsoperationen sind keine aus ärztlicher Sicht notwendigen medizinischen Eingriffe. Sie erfüllen vielmehr besondere Bedürfnisse des Patienten an kosmetischer Verbesserung oder Verschönerung seines Körpers.

Kosmetische Operationen sind in vielen Bereichen möglich: Brustkorrekturen, Fettabsaugung, Gesichtschirurgie, wie z.B. Nasenkorrekturen, Faltenbehandlung usw.

Entgegen weitläufiger Meinungen schuldet der Arzt jedoch keinen Behandlungserfolg. Der Arzt schuldet vielmehr eine Dienstleistung. Er verpflichtet sich nur dafür einzustehen, dass er den vertraglich geschuldeten Eingriff fachgerecht durchführt.

Vor einer Schönheitsoperation ist der Patient über Erfolgsaussichten und Risiken des Eingriffs, wie bleibende Entstellungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen besonders sorgfältig, umfassend und schonungslos aufzuklären. Es ist auch unmissverständlich darauf aufmerksam zu machen, dass die Krankenkasse die Operationskosten möglicherweise nicht trägt. Sofern der Patient jedoch bereits weiß, dass die Krankenkasse die Kosten nicht trägt, muss nicht nochmals darüber aufgeklärt werden.

Die Rechtsprechung hat sich in zahlreichen Entscheidungen mit Aufklärungspflichten bei Schönheitsoperationen beschäftigt. Die nachfolgende Aufzählung von Aufklärungspflichten im Bereich der Entfernung von Fettpolstern und Brustkorrekturen orientiert sich an der gängigen Rechtsprechung und ist somit nur beispielhaft und keinesfalls vollständig.

So bedarf z. B. die Entfernung ausgedehnter Fettpolster ausführlicher und eindringlicher Hinweise auf Operationsrisiken wie Entstehung von Fisteln und Fettgewebsnekrosen mit verbleibenden Narben und Wundheilungsstörungen. Bei übergewichtigen Patienten muss bei einer Fettentfernung auf ein erhöhtes Thromboserisiko mit eventuell nachfolgendem Schlagaderverschluss durch verschleppte Gerinsel hingewiesen werden. Bei der Fettabsaugung ist darüber zu belehren, dass bei großflächigen Fettabsaugungen mit der Entstehung unregelmäßiger Konturen gerechnet werden muss, die nicht in jedem Fall vollständig beseitigt werden können.

Bei Brustkorrekturen ist insbesondere aufzuklären, dass die Erreichung des erstrebten kosmetischen Erfolges nicht gesichert ist, es zur Bildung hässlicher Narben, Sensibilitätsstörungen und erforderlichen Nachoperationen kommen kann.

Wesentliches Risiko bei Brustvergrößerungen ist neben den üblichen Operationsrisiken das Auftreten einer Kapselfibrose durch Einbringung von Implantaten. Weiter ist auf das Risiko asymmetrischer Brüste hinzuweisen. Auch können Implantate verrutschen, so dass eine weitere Operation erforderlich wird. Es kann, wenn auch selten, zu einem "Crash-Tits"-Effekt kommen. Hierbei scheint sich die Füllmasse des Implantats vollständig aufzulösen, so dass die Brust schrumpft.

Bei Brustverkleinerungen ist auf mögliche Wundheilungsstörungen hinzuweisen. Sehr seltenen besteht die Gefahr des Verlusts der Brustwarze, da Brustwarze und Warzenhof an eine neue Stelle versetzt werden müssen. Über damit verbundene mögliche Gefühlsstörungen der Brustwarze und einer Einschränkung der Stillfähigkeit ist ebenfalls aufzuklären.

Eine Aufklärung, die den Anforderungen einer besonders sorgfältigen und umfassenden Aufklärung nicht gerecht wird, führt dazu, dass die Einwilligung des Patienten auf einer unzulänglichen Informationsgrundlage basiert und damit nicht wirksam ist.

Der Honoraranspruch des Arztes entfällt dann aber nicht per se. Vielmehr muss die Leistung des Arztes regelmäßig unbrauchbar sein.

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